Blumengarten auf dem Dach der Göttinger Waldorfschule

Um die oberen Klassen der Freien Waldorfschule Göttingen während des Corona-bedingten Shutdowns sinnvoll zu beschäftigen, gaben ihnen die Lehrer die Aufgabe, je ein Projekt auszuarbeiten. Der 16-jährige Noel bepflanzte eine Dachfläche von 500 Quadratmetern mit insektenfreundlichen Blumen.

Es ist nicht so, dass es auf dem Gelände der Freien Waldorfschule in Weende nicht grünt und blüht. Das Schulareal wirkt wie eine Parkanlage. Trotzdem, da geht noch was. Das hat sich Duncan Noel Norbron gesagt und mehrere Dächer begrünt. Seine Initiative war Teil eines Schulprojektes. Unterstützung hat der Schüler bei hiesigen Unternehmen gefunden. Auch wenn die Dächer am Südflügel der Schule den Blicken eher verborgen sind: Jetzt ist es noch grüner bei Waldorf.
Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Es regnet, als Noel dem neugierigen Zeitungsmann sein Werk erläutert und präsentiert. Für den ersten Teil hat er sich 45 Minuten Zeit genommen, bevor er zum Schuljahresabschluss in den Klassenraum muss. Für den zweiten Teil kommt Hausmeister Dirk Schubbert hinzu, aus Sicherheitsgründen. Schließlich geht es aufs Dach.

Obere Klassen erhalten Projekt-Auftrag

Als mit der Corona-Pandemie in den Schulen der Präsenzunterricht ausgesetzt werden musste und Homeschooling angesagt war, bekamen auch die Schüler der 10. Klasse der Freien Waldorfschule die Aufgabe, ein Projekt zu erarbeiten. Noel schlug etwas vor, was er auch ohne Corona früher oder später, wie er sagt, vorgeschlagen hätte. Die stufenweise angelegten Dächer am Südflügel eignen sich durch ihre horizontale Ausrichtung für eine Begrünung. „Ich habe meinen Gartenbaulehrer gefragt, ob das möglich ist“, macht der künftige Elftklässler auf statische Fragen aufmerksam.
Als er grünes Licht bekam, zog er los und suchte sich Sponsoren. Denn um 500 Quadratmeter zu begrünen, braucht es einen ordentlichen Posten Saatgut. „Das ging besser, als ich erwartet hatte. Die waren schnell bei der Sache“, lobt der 16-Jährige das Entgegenkommen von Betrieben und Geschäften. Er entschied sich, auf den Dächern einjährige Pflanzen wachsen zu lassen, um den Wuchs in den kommenden Jahren unter Kontrolle zu behalten. Wichtig war ihm aber, dass sie Nahrung und Lebensraum für Insekten bieten. „Die Pflanzen säen sich selbst wieder aus. So bleibt ein Kreislauf bestehen“, weiß Noel. Er wählte Korn- und Ringelblumen, Dill, Buchweizen, Phacelia und Wicke aus.

„Es ist gut, ein Stück weit autark zu sein“

Warum gerade dieses Projekt? „Seit der achten Klasse beschäftige ich mich mit den Themen Nachhaltigkeit und Selbstversorgung“, sagt der Schüler und berichtet von einem Gemüsebeet, das er damals im heimischen Garten angelegt hat. Auch für die Insekten? „Weil es mir Spaß macht. Weil es gut ist, ein Stück weit autark zu sein“, befindet er. Es sei mit einem anderen Gefühl verbunden, etwas selbst angelegt, gepflanzt, geerntet zu haben. „Dafür ist keine Lagerung nötig, keine Nachreifung, kein Importweg“, lenkt er den Blick auf die allgemein übliche Versorgung über die Supermärkte.
Beim Aussäen der Wildblumen unterstützte ihn der Gartenbaulehrer, allein sollte der Schüler nicht auf den Dächern herumklettern. Das änderte nichts daran, dass vier Tage Arbeit nötig waren, um das Pflanzprojekt abzuschließen. „Ich musste ziemlich viel abpassen, den richtigen Zeitpunkt des Aussäens etwa oder Regen und Sonne“, sagt Noel. Da von dem eingeworbenen Geld der Sponsoren noch etwas übrig ist, will er es für weitere Pflanzprojekte in Weende verwenden, auch für Blühstreifen, auch für einen Baum.

Startschuss für Projekt klimafreundliche Schule

Dazu habe er Kontakt zur Stadtverwaltung aufgenommen, sagt der Schüler, der allerdings auch keine Probleme damit hat, das Prinzip Guerilla Gardening anzuwenden, also das heimliche Aussäen von Saatgut auf öffentlichen Flächen. Einen solchen Streifen habe er schon zum Grünen und Blühen gebracht, versichert Noel und meint: „Das Grünflächenamt geht wohl davon aus, dass es das selbst war.“
Der Geschäftsführer der Waldorfschule, Christian Cohrs, nimmt Noels Wildblumendach kurzerhand als eine Art Startschuss für ein noch größeres Projekt. Die Bildungsstätte am Göttinger Stadtrand soll eine klimafreundliche Projektschule werden. Auch da hat sich Noel schon kundig gemacht. „Klimaneutral ist schwierig“, sagt er. „Aber man kann ausgleichend wirken, etwa durch Solarplatten, LED-Lampen und Anpflanzungen.“

Ein bunter Strauß an Projekt-Themen

Weitere Projekt-Themen waren unter anderem: „Neue Medien - Chancen und Risiken für Kinder und Jugendliche“. „Gardetanz“. „Artgerechte Kaninchenhaltung“. „Bodenarbeit mit Pferden“. „Ländervergleich Costa Rica und Deutschland“. „Restaurierung eines Alfa Romeo 1600 GT Bertone“. „Restaurierung eines Hercules M 1“. „Bau eines wassergekühlten Gaming-PCs“. „Vegane Ernährung und Leistungssport“. „Planung und Herstellung eines Quilts“. „Das Sonnensystem – unsere kosmische Heimat“. „Mao Zedong: Chinesischer Tyrann oder gescheiterter Landesvater?“ „Vorbereitung zu einem Marathonlauf“. „Auswirkungen von sozialer Isolation auf Körper und Gehirn“. „Wie gehen die Notenbanken mit der Corona-Krise um?“. „Alte Jeans upcycling zu einer Jeansjacke“. „Das Waldsterben im Eichsfeld dokumentieren und filmerisch festhalten“. „Restaurierung, Polsterung und Bezug eines Autositzes“. „Alles an mir ist selbstgemacht: Schuhe, Hose, Oberteil und Unterwäsche“. Sämtliche Projektarbeiten sind von den Lehrern bewertet worden.
Von Ulrich Meinhard

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Aeham Ahmad in Göttingen

Wie ein Geflüchteter mit Musik die Herzen seines Publikums weitet

Artikel vom 13.12.2019 - Foto: Linnhoff

Er wurde als Pianist in den Trümmern bekannt: Nun begeisterte der palästinensisch-syrische Virtuose Aeham Ahmad die Besucher mit einem eindringlichen Solokonzert in der Göttinger Waldorfschule.

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40-jähriges Bestehen

Waldorfschule Göttingen feiert mit großem Festakt

40 Jahre Freie Waldorfschule Göttingen und 100 Jahre Waldorfbewegung: Am Sonnabend wurde in der Waldorfschule in Weende groß gefeiert.

Mit einem Festakt haben Schüler, Eltern, Lehrer und Unterstützer der Waldorfschule Göttingen am Sonnabend gleich zwei wichtige Eckdaten gefeiert: das 40-jährige Bestehen der Schule sowie 100 Jahre Waldorfbewegung. Es gab Wortbeiträge, Musik und Tanz.

Dass Waldorfschüler gerne auch mal mit vorherrschenden Klischees spielen und sich selbstironisch auf die Schippe nehmen, hat Duncan Norbron gezeigt. Bei einem Spiel, in das er das Publikum mit einbezog, gab er Einblicke in das Leben eines Waldorfschülers, der, wie kann es anders sein, von einem Schüler einer staatlichen Schule gefragt wird, ob er denn auch seinen Namen tanzen könne. Etwas ernster, aber zuversichtlich äußerte sich Fiona Norbron. „Diese Art zu lernen, bei der man wirklich versteht, hat mir meine Schule beigebracht“, sagte die Zwölftklässlerin. Die Waldorfschule habe ihr die Freiheit zur Entwicklung gelassen. Auch wenn die Zukunft beängstigend sein könne, beispielsweise durch die Klimakrise, fühle sie sich gut vorbereitet. „Schule ist ein wunderbarer Ort, um mit Veränderungen anzufangen.“

Im Anschluss an den Festakt feierten die Gäste das „Jahrhundertfest“ mit Spielen, einem Buffet und ließen den Nachmittag am Feuer ausklingen.
von nog

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Göttinger Waldorfschule unterhält Solidarfonds für Eltern

Thema Schulgeld

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Die Präsentation ihrer selbst hergestellten Cajóns war am Mittwoch für diese Schüler der Freien Waldorfschule die letzte schulische Aktion, bevor es in die Sommerferien ging.
Quelle: R

„Wir machen es anders“ lautet der Slogan der Freien Waldorfschule Göttingen. Den Gedanken von einer elitären Bildungsstätte, die sich nur gut verdienende Familien leisten können, weisen Schulleiter Christoph Hecht und Elternvertreterin Katharina Wyss entschieden zurück.
Lernen in einer Schularchitektur, die auf das Wohlbefinden von Kindern abzielt – das klingt interessant. Für die Eltern von 350 Kindern und Jugendlichen in und um Göttingen ist dieses Angebot so interessant, dass sie ihre Kinder in der Freien Waldorfschule Göttingen am Standort in Weende angemeldet haben, obwohl für den Lernort eine Gebühr fällig wird. In den folgenden Zeilen geht es noch einmal um die Frage, ob private Schulen in Deutschland elitäre Bildungsstätten sind, weil sich nur gut verdienende Eltern einen Schulplatz für ihr Kind leisten könnten. Das Tageblatt hatte das Thema in der Ausgabe vom 26. Juni aufgegriffen.

Solidarfonds für Eltern eingerichtet
Auch die Leitung der Freien Waldorfschule möchte sich zum Thema äußern. Auf die Frage, wie eine Bewerbung von Eltern abläuft, die ihr Kind an der Schule anmelden wollen, erläutert Schulleiter Christoph Hecht: „Zuerst gibt es einen Termin im Schulbüro.“ Hier werde das Thema Schulgeld selbstverständlich angesprochen und darüber eine Vereinbarung getroffen. Die Höhe variiere je nach dem Bruttoeinkommen der Eltern. Außerdem gebe es eine Geschwisterregelung. Das Schulgeld sinke entsprechend der Kinder, die ein Elternpaar beschulen lässt, sagt Hecht.
Durchschnittlich betrage das Schulgeld 220 Euro im Monat, der Mindestbeitrag liegt bei 60 Euro. Für einkommensschwache Eltern sei ein Solidarfonds eingerichtet worden. „Wir haben sogar einen eigenen Verein gegründet, um Eltern zu unterstützen. Auf das Konto dieses Vereins darf übrigens jeder gerne einzahlen“, macht Elternvertreterin Katharina Wyss gleich ein wenig Werbung in eigener Sache.

Bis zu 20 Prozent Gehaltsverzicht bei Pädagogen
Das Land Niedersachsen, hält der Schulleiter fest, gehöre zu den Bundesländern, die in Deutschland die niedrigsten Zuschüsse an freie Schulen zahlen. Zwischen 60 bis 65 Prozent der für den Betrieb der Waldorfschule anfallenden Kosten würden über staatliche Gelder gedeckt. Trotz des Schulgeldes der Eltern sei der Schulbetrieb nur möglich, „weil die Kollegen, verglichen mit dem Gehalt von Lehrern an staatlichen Schulen, auf Geld verzichten“. Auf wie viel? „Bis zu 20 Prozent“, sagt Hecht.
„Jede Waldorfschule“, betont Wyss, „ist von Eltern gegründet worden.“ Die Mutter von zwei Töchtern sagt, dass die vom anthroposophischen Menschenbild geprägten Waldorfschulen sich der Frage stellen, was die junge Generation angesichts der gesellschaftlichen Probleme in der Welt, wie etwa dem Klimawandel, braucht, um Antworten zu finden, um darauf vorbereitet zu werden. Waldorf sei wie ein Netzwerk, wie ein „warmer Bienenstock“, in dem versucht werde, „einer gewissen gesellschaftlichen Kälte“ ein Miteinander entgegenzusetzen. „Wir versuchen, es anders zu machen. Aber wir sind nicht elitär“, betont Wyss.

Rückkehr des Sachkostenzuschusses wäre hilfreich
Ein ganzes Schülerleben bleiben die Mädchen und Jungen in der Waldorfschule zusammen, das heißt von der 1. bis zur 13. Klasse. Alle staatlichen Schulabschlüsse sind möglich.

Übrigens: Die Freie Waldorfschule Göttingen besteht seit 40 Jahren. Zum runden Geburtstag ist am 21. September ein Festakt vorgesehen. Welchen Wunsch hat der Schulleiter für die Zukunft? „Wenn ich einen frei hätte, dann die 100-prozentige Finanzierung durch das Land. Dann bräuchten wir kein Schulgeld erheben. Wenn die Stadt Göttingen den vor 15 Jahren gestrichenen Sachkostenzuschuss wieder gewähren würde, wäre das auch schon sehr hilfreich.“

Von Ulrich Meinhard

Abiball der Freien Waldorfschule Göttingen

Im Südflügel der Schule fand am Sonnabendabend - 29. Juni 2019 - die Feier der Abiturienten der Freien Waldorfschule Göttingen statt. Außen war ein Transparent zu lesen, das darüber informierte: „Die Schule ist gekapert – die wilde 13“. Die Abiturienten dankten ihren Lehrkräften.

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Fotos von Peter Heller