Theaterprojekte

Krabat

Krabat

„Krabat“ – eine Theaterinszenierung, die es in sich hat. Otfried Preußler hat die alte sorbische Sage zu einem düster packenden Roman verarbeitet. Das Böse zeigt sich darin schonungslos. Der Meister hat einen Pakt mit dem Teufel, dem Gevatter, wie er ihn nennt, geschlossen und jedes Jahr in der Neujahrsnacht muss er ihm seinen Tribut zahlen: ein Müllerbursche stirbt, allein, einsam, auf grausame Weise.
Keiner der Gesellen findet einen Weg fort von der Mühle, denn durch einen Vertrag sind sie für immer an den Meister gebunden. Einen Weg gibt es allerdings, den Meister der schwarzen Magie zu besiegen, die Liebe eines Mädchens, das stark genug ist, dem Meister standzuhalten. Doch dieser Weg ist schwer und viele sind daran gescheitert und haben ihren Versuch, den Liebsten zu befreien, mit dem Tod bezahlt.

Hier der Direklink auf youtube zu den Filmsequenzen

Hier finden Sie das Programmheft

zur Bildergalerie


Aufführung während der 46. Schultheaterwoche in Braunschweig

Am Donnerstag, 02.07.2015 führte unsere 8. Klasse ihr Theaterprojekt "Krabat" auf fremder Bühne im Kleinen Haus in Braunschweig auf.

Der Veranstalter ist der Verein zur Förderung des Schultheaters im ehemaligen Regierungsbezirk Braunschweig e. V.

Hier der Link zur Hompage

Hier der Link zur Bildergalerie

Hier der Link zu Fotos und Filmsquenzenen auf google-photos von mir

Hier zwei Rezensionen:

Eine Zeitreise mit den Göttinger Multitalenten

Das Stück beginnt. Auf der Bühne ein großes Gerüst aus Podesten, das mit Seilen mit der Bühnendecke verbunden ist. Die hintere Wand strahlt in grellem Rot. Auch ohne einen Schüler auf der Bühne ist dieses erste Bild überwältigend. Da hat die 8.Klasse der Waldorfschule Göttingen ganz schön was aufgezogen! Und das betrifft nicht nur das Bühnenbild. Bis ins kleinste Detail durchdacht stehen die SpielerInnen in aufwändigen Kostümen, geschminkt und frisiert, auf der Bühne und finden sich perfekt in ihre Rollen ein. Sie sprechen deutlich in der Sprache Otto Preußlers, haben eine klare Haltung und geübte Gestik und Mimik. Selbst die Bühnenwege scheinen genau geplant worden zu sein. Auch wenn Schüler offiziell keine Profis sind, bei dieser Gruppe kann man durchaus von Schauspielern unter der Leitung eines Regisseurs sprechen. Drumherum ganz viele Helfer: Eltern und Schüler nähen Kostüme, der Kunstlehrer zeichnet Bilder, die mit dem Beamer projiziert als Szenenhintergründe genutzt werden, der Musiklehrer schreibt Lieder und studiert sie mit den Schülern ein und getanzt wird auch noch. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die 90 Minuten verfliegen geradezu, so viel wie diese Inszenierung zu bieten hat.
Als hätte eine Zeitreise stattgefunden, führen die ca. 30 Schüler das Publikum zurück in eine andere Welt. Es ist die Welt Krabats, der zum Schüler des schwarzen Magiers wird und sich mit dieser Entscheidung, wie viele andere, gänzlich seinem Willen unterstellt. Dieser vielleicht undurchdachte Pakt ist nicht ganz harmlos. Das merken die Gesellen in der Mühle und stellen sich der schwierigen und gefährlichen Aufgabe, den Magier zu besiegen. Auch wenn dieses Vorhaben viele Opfer mit sich bringt, siegt am Ende die weiße, auf Liebe beruhende Magie, über die schwarze.
Die Inszenierung von Slava Rozentuller wechselt dabei gekonnt die Stimmungsbilder der einzelnen Szenen mithilfe der Lichttechnik und der verschiedenen Spielorte innerhalb des gesamten Raumes. Die vorhandenen Mittel, die der Raum bietet, wurden vollsten ausgeschöpft. Ein Lob an dieser Stelle an den Schüler am Technikpult, der sich seiner komplexen Aufgabe genauso sicher war wie alle anderen auf der Bühne. Aber kein Wunder, denn mit dem Fach Theater als Pflichtfach hat die Klasse schon einige Aufführungen hinter sich. Schade, das einige Schüler aus dem Publikum keinen Zugang zum Stück bzw. zur Thematik gefunden haben und die Mühe der Spieler nicht zu schätzen wussten. Sichtlich enttäuscht sagt eine Schülerin im Nachgespräch: „Am Ende war die Luft einfach raus, denn in der ersten Reihe haben sie ununterbrochen über uns gelacht.“ So gut wie die Inszenierung auch war, vielleicht könnte man solche Reaktionen vermeiden, wenn man die sogenannte 4. Wand vor der Bühne öffnet, das Publikum als Teil der Aufführung versteht und es auch mal erlaubt ist aus seiner Rolle rauszutreten. Auch wenn das Endergebnis dieser Aufführung mehr als gelungen ist, für die Zukunft machen dieser Schüler Lust auf ein Stück, in welchem sie nicht so sehr hinter ihren Rollen verschwinden. Denn so viele Schüler auf einen Haufen, die Lust auf Theater haben, können ja nur interessant sein. Die würde man gerne auf der Bühne näher kennenlernen.
Von Eileen Winkle

Zwischen Teufelswerk und wahrer Liebe

Großartiges Bühnenbild, hervorragende Kostüme und ganz viel Musical brachte die 8.Klasse der Freien Waldorfschule aus Göttingen mit „Krabat“ auf die Bühne. Die insgesamt 30 Mitwirkenden unter der Spielleitung von Slava Rozentuller erzählen die aufwändig inszenierte Geschichte des Waisenjungen Krabat, nach der Romanvorlage von Ottfried Preußler. 
Krabat gerät als Lehrling in die Fänge des bösen Meisters, der ihn mittels dunkler Magie zu beeindrucken weiß. Er freundet sich mit seinen Gesellen an, doch immer nach Ablauf eines Jahres stirbt einer von ihnen auf mysteriöse Weise. Krabat aber durchschaut das Spiel: der schwarze Meister opfert seine Lehrlinge, bevor sie ihm gefährlich werden können. Der einzige Ausweg aus diesem Teufelskreis ist die Liebe. Dem Mädchen Kantorka gelingt es, Krabats Herz zu erobern und durchbricht so den dunklen Bann. Ende gut, alles gut - die Gesellen sind befreit, der böse Meister stirbt. 
Die literarische Vorlage Preußlers wurde um selbstverfasste Dialoge und Musikstücke erweitert, die dem ganzen Treiben einen unterhaltsamen Musicalcharakter beibringen. Besonders hervorzuheben ist das aufwändige Bühnenbild, samt Gerüst, Podesten und stimmigen Lichtprojektionen und die detailverliebte Kostümierung, die dank Maskenbildnerin höchst professionell abgerundet wurde. 
Die Präsenz in Spiel, Gesang und Tanz zeigt einmal mehr, wie lange die DarstellerInnen schon mit der Bühne vertraut sind - sie beherrschen das volle Repertoire, die lauten wie die leisen Töne. In einigen Szenen wurden Pathos und Theatralik zwar ein wenig überstrapaziert (z.B die unzähligen Liebesschwüre und dramatischen Todesfälle), was der Inszenierung aber keineswegs ihren Charme nehmen konnte. Wirklich desillusionierend war hingegen, dass man während der ganzen Aufführung über beobachten konnte, was neben und hinter der Bühne vor sich ging. 
„Das Stück hat uns gefunden!“, meint ein Spieler auf die Frage nach den Hintergründen für diese Krabat-Adaption. Kurz und bündig: Es war Teil des Lehrplans, das Jugendbuch wurde im Unterricht gelesen und unter dem Einfluss der Lehrenden weiterentwickelt. Als Abschluss dieser großartigen Inszenierung bleibt nur noch zu überlegen, was wohl dabei herauskäme, wenn die SpielerInnen aus sich selbst heraus und frei von Unterrichtsinhalten, eine Thematik wählen könnten, die direkten Bezug auf ihr Leben nimmt. 
Insgesamt präsentierte die Freie Waldorfschule aus Göttingen eine gelungene, runde Vorstellung - ein hervorragender Abschluss der 46. Schultheaterwoche von Braunschweig im Kleinen Haus.
Von Merle Janßen